Eine schattige Oase in der grellen Mittagssonne. Das verhieß die weit geöffnete doppelflügelige Tür am Marktplatz von Soulac-sur-Mer. Mit dem typischen Papierdurft alter Antiquariate versprach sie Ruhe, Stille und beschauliches Stöbern abseits des Markttreibens.
Unerwartet entpuppte sich das ersehnte Antiquariat als Öffentliche Bibliothek, die “Bibliothèque Pour Tous”. Ihre Bibliothekare gehören zu dem Menschenschlag, der in Frankreich bereits Seltenheitswert bekommt: Franzosen, die nur französisch sprechen (wollen).
Im Schattenreich
Soulac-sur-Mer, ein mondäner und beliebter Badeort, besticht durch seine großzüge und gut erhaltene Architektur des 19. Jahrhunderts. Schon vor dieser Zeit entwickelte sich der Ort mit seinem Hafen zu einem Zentrum für Reisende. Er gilt als ein Ausgangspunkt für Jakobspilger und zählt zum Weltkulturerbe “Jakobsweg”.
Mit ca. 2.700 Einwohner leistet sich die Gemeinde eine umfangreiche Bibliothek von “Pi mal Daumen” einigen tausend Medieneinheiten im Zentrum des Ortes.
Und doch fristet die Bibliothek unverdientermaßen ein informatorisches Mauerblümchendasein. Der ungepflegte Link der Stadtverwaltung, ohne eigenen Webauftritt und von den Seiten des lokalen Tourismusbüros entfernt, wirkt die so verborgene Bibliothek trostlos. Gleichwohl gab es in dieser Bibliothek im Schattenreich einiges zu sehen.
Im Kinderbereich
Blickfang war unbestritten die Bilderbuchecke mit kindgerechter Möblierung und einer umfänglichen Sammlung an Bilderbüchern. Vorrangig französische, englische, deutsche Autoren wurden in ihren französischen Ausgaben für die kleinen Leser frontal präsentiert.
Die gerade in diesem Segment herausragenden französischen Kinderbücher, durch ihre Ausstattung und Illustration beliebte Hand- und Augenschmeichler, waren rar gesät. Gern ausgeliehen glänzen diese kleinen Kostbarkeiten durch Abwesenheit bei Bibliotheksbesuchen. Hier lohnt sich der Weg zur jährlichen Kinderbuchmesse in Paris “Salon du livre et de la presse jeunesse“, die unter Illustratoren und Bibliothekaren einen ausgezeichneten Ruf genießt.
Unattraktiv präsentiert lagen die Comics in den Regalen. Bequem stöbern in den frontal gestellten Comics konnten nur die Großen. Doch zeugten die abgegriffenen Einbände und zerlesenen Seiten von der intensiven Nutzung des beliebten Bestandes.
Viele Titel des Kinderbereiches waren bekannt und sind (auch im Original) in der Kinder- und Jugendbibliothek der ZLB erhältlich.
